Lange geplant, war es endlich soweit. Wir konnten an unserem ersten gemeinsamen Workshop des Fotostammtisches teilnehmen, und „Frank Boxler" aus der Nähe von Nürnberg, war der Leiter des Workshops.

Ich glaube die meisten von uns waren noch im „Sonntagsmodus", als wir uns in der Früh trafen um dann gemeinsam zum Workshop zu fahren. Es war geplant in erster Linie das Thema „Portrait" und dessen Umsetzungsmöglichkeiten näher unter die Lupe zu nehmen, bzw. uns von einem Profi zeigen zu lassen was da alles falsch gemacht werden kann und wir danach besser machen werden. Einige von uns hatten ja durchaus schon selbst Erfahrungen gesammelt in Ihrer Fotografen Laufbahn, die sie dort sehr gut gebrauchen konnten. Aber auch diese „alten Hasen" merkten schnell dass da durchaus noch Potential da ist, sich zu verbessern. Ich selbst hatte überhaupt keine Ahnung was mich erwarten würde, war also auch dementsprechend gespannt. Vielleicht auch ein wenig ängstlich ob ich denn überhaupt mit allem mithalten konnte und nicht nur dasitzen würde und nur Bahnhof verstehe. Meine Portraiterfahrungen tendieren ganz einfach gegen Null. Ich habe zwar schon viele Menschen fotografiert, aber nie mit dem Hintergrund jetzt das Beste aus der Location und der Person selbst herauszuholen.

Es wurde einfach immer das Bild verwendet welsches mir gefallen hat. Also angekommen, wurden wir schon von Frank freundlich begrüßt und doch ins Haus gebeten. Dort im unteren Geschoss, befindet sich ein kleine Studio und eben auch die Örtlichkeit an der Frank seine Brötchen verdient. An diesem Sonntag haben wir es als Klassenzimmer missbraucht und uns alle dort unten erst mal mit Kaffee versorgt. Nach einer kleinen Vorstellungsrunde ging es dann auch gleich los und wir gingen vor das Haus und bekamen einen ersten Einblick warum das Licht für eine gute Portraitaufnahme so wichtig ist. Wir haben dann an unserem extra organisierten männlichen Modell schon mal das eben gelernte versucht ein wenig umzusetzen. Ich habe hier mal ein Beispielfoto, es leider nur eines von mir, es gibt auch besser umgesetzt Varianten, nur die kann ich hier aus rechtlichen Gründen nicht zeigen. Vielleicht erklärt sich ja der eine oder andere der das liest bereit dazu.
Gleich ohne Pause ging es dann ein wenig in die Natur. Frank versuchte uns die Möglichkeiten und die Gefahren der richtigen oder falschen Perspektive näherzubringen. Wir stiegen auf eiligst herbeigebrachte Leitern oder legten uns ins kniehohe Gras, um die Wirkung der Bilder sofort und massiv zu ändern. Auch das Steffi, die Frau von unserem Stammtischler Jörg, die sich entzückender weise als weibliches Modell zur Verfügung gestellt hatte, mußte gleich mal erfahren dass es kein Zuckerschlecken ist einer Horde Fotografen die alle zur gleichen Zeit nach einer Pose verlangen, gerecht zu werden. Als Frank auch noch mit einer Lichtkanone das Objekt unter Beschuss nahm, er selbst dabei ca. 30m weit weg war und damit eine tolle Ausleuchtung bei grellem Sonnenschein und möglichst tiefer Position erschuf, war der erste Teil des Workshops auch schon vorbei.

Das Paarshooting

Nach dem reichlichen und gemütlichen Mittagessen in einem örtlichen „Biergarten", es war wohl mehr ein Kaffeegarten, haben wir gleich mal die Gelegenheit genutzt und dort ein paar Reiterinnen und ihre Pferde als Testobjekt zu missbrauchen. Da ging es auch um Licht und wie wichtig es doch scheint immer einen Blitz oder etwas vergleichbares mit dabei zu haben. Tja auch am helllichten Tag schreit ein gut ausgeleuchtetes Foto nach einer „zusätzlichem Sonne". Aber wir hatten ja noch etwas vor, also auf zu unserer letzten und wichtigsten Location.

Da Frank ein Paarshooting nachstellen wollte, schmissen sich Steffi und unser männliches Modell in todschicke Fummel bzw. in ein Hochzeitskleid mit allem drum und dran.
Wir teilten uns auf ein paar Autos auf und fuhren zu einer kleinen Schlucht, dessen Namen ich leider nicht weiß, parkten dort in der Nähe auf einer Wiese und machten uns mit unserem Equipment auf den Weg durch ein kleines Stück Wald, um den letzen Teil des Workshops zu erleben.

Eine kleine Schlucht, durch Wind und Wasser über ewige Zeiten geformt, mitten im Wald, einfach toll. Die Gegebenheiten des Geländes waren zwar ein wenig schwierig für mich, doch bis dahin konnte ich noch mithalten. Was Frank natürlich nicht wusste, auch mit dem richtigen Schuhwerk war es eine sehr rutschige und teilweise sehr sturzgefährliche Stelle für ein Paarshooting. Alleine deshalb, Hut ab, für die Modells. Bein manchen Aufnahmen stand Steffi Knöchelhoch im kalten Wasser, hielt aber tapfer allen Anforderungen der „Meute" stand. Auch so manche geliebt, teure Ausrüstung sah ich manchmal in arger Gefahr ein Bad zu nehmen oder den Fall über die Böschung zu proben. Doch ob aller Gefahren ist nichts passiert!
Jetzt war Frank scheinbar so richtig in seinem Element, eine seiner Lichtkanonen aufgebaut und schon ging es los. Steffi musste jetzt so richtig zeigen dass ein Modell in ihr steckt, und die Fotografen wie sie mit der doch relativ schwierigen Lichtsituation umgehen konnten. Die vielen Bäume und das doch immer wieder an manchen Stellen durchbrechende gleisende Sonnenlicht waren wirklich eine harte Prüfung . Einerseits für Frank, die Situation allen zu erklären und die besten Stellen zu erkunden, sowie auch für die „Knipser" um die Tips und Tricks an Ort und Stelle umzusetzen. Jeder konnte mit der von Frank positionierten Lichtanlage, aus allen möglichen und scheinbar unmöglichen Positionen seine Serien schiessen. Oft Steffi alleine, dann wieder das Paar oder das männliche Modell, welche sich an hervorstehende Felsen lehnte, im „Wasserrinsal" stehend im Gegenlicht und Spiegelung, durch Baumwurzeln mit mystischem blauem Schein, fotografiert wurde das die Verschlüsse glühten.
Mir Weichei machten meine Füße zu schaffen und konnte das nicht bis zuletzt alles mitmachen, doch zuschauen und lernenworkshop-rep-03 konnte ich. Mir geht es oft so, dass ich es leichter behalten kann und es für mich leichter zu verarbeiten ist, wenn man sich das Geschehen in Ruhe und ohne Hektik anschauen kann.
Es wurde schon bald sehr dämmrig so dass es Sinn machte das Paarshooting nach locker 2-3 Stunden, man verliert sehr leicht das Zeitgefühl, zu beenden. Sichtlich geschafft doch sehr glücklich ob der bestimmt hunderten von Bildern die gemacht wurden, packten alle ihre Ausrüstung zusammen und stiefelten zu unseren Autos zurück.

Zum Abschluss

Wieder bei Frank im Studio angekommen, verabschiedeten sich schon die Ersten die noch einen längeren Weg nach Hause hatten. Es war ja doch schon ziemlich spät geworden. Frank setzte sich mit dem Rest der Truppe dann noch schnell an seinen Laptop und kopierte alle Bilder auf die Festplatte damit sie an alle Teilnehmer des Workshops verteilt werden konnte. Es sollte ja jedem die Gelegenheit gegeben werden die Bilder der anderen mit den eigenen zu Vergleichen. Es inspiriert immer sehr die Arbeiten anderer Fotografen zu sichten und festzustellen was man vielleicht auch umsetzen könnte. Wenigsten mir geht es so.
Für das einzelne Besprechen der Bilder blieb leider nicht mehr die Zeit. So musste sich dann auch der Rest von Frank verabschieden und die Heimreise antreten.

Zum Abschluss noch ein Gedanke...

... der mich leider auch mit Heim begleitet hat. Ich wäre ja nicht ich, wenn ich nicht noch was auszusetzen hätte. (Frank wird es mir hoffentlich nicht übel nehmen!)
Es ist ja vielleicht nur meine Meinung, doch ging es mir im ganzen Workshop zu sehr um die Ausleuchtung des Geschehens und weniger um das richtige darstellen und positionieren der Protagonisten. Klar wird ein technisch gutes Foto mit gutem und abwechslungsreichem Licht gemacht, doch wenn ich nicht die technischen Möglichkeiten eines Profis habe muss ich auch lernen mit einem oder mehreren Aufsteckblitzen zurecht zu kommen.
Auch der Umgang bzw. das Handling der Personen die ich fotografieren will, wurde zwar hi und da angesprochen, wäre aber in einem Workshop der eigentlich dieses Thema hat, noch ausbaufähig.
Das alles kam in meinen Augen ein wenig zu kurz.
Es war aber auf alle Fälle ein sehr interessanter und lehrreicher Tag den wir in der Obhut Frank Boxlers verbringen konnten.

Vielen Danke an alle die diesen Tag organisiert und begleitet haben.